10.10.2020

Friedenspolitischer Studientag in Leipzig fragte nach Mut, Macht und Frieden

Dieter Junker
EAK

Das große Friedensprojekt Europa hat viel mit Mut, Macht und Frieden zu tun. „Vor 70 Jahren hatten Menschen den Mut, aber auch die Macht, die Vision einer europäischen Einigung anzugehen, um damit den Frieden in Europa zu erreichen und den Krieg als Möglichkeit der Konfliktlösung zu überwinden“, betonte die Europaabgeordnete Dr. Hannah Neumann (Berlin) bei einem friedenspolitischen Studientag „Mut.Macht.Frieden“ in der Alten Nikolaischule in Leipzig. Europa sei der Beweis, dass man Frieden lernen könne, war die Grünen-Politikerin überzeugt. „Mit der europäischen Einigung wurde bewiesen, dass es auch anders geht, dass es friedlich geht“, machte die Abgeordnete in Leipzig deutlich.

Damit aber dieses Friedensprojekt Europa eine gute Zukunft habe, sei es wichtig, dass in der europäischen Außenpolitik die Menschen geschützt würden, die sich für Frieden und Menschenrecht stark machen würden, dass aber auch deren Stimmen unterstützt und verstärkt würden. „Darum ist es wichtig, dass die EU hier auch Gruppen aus der Zivilgesellschaft ein Forum bietet, die nicht Teil der Macht sind“, unterstrich Hannah Neumann.

Ebenso müssten angebliche Gewissheiten hinterfragt und für Transparenz in der Außenpolitik gesorgt werden, machte die Europaabgeordnete auch deutlich. Als Beispiel nannte sie hier die Rüstungsexportpolitik, wo es zwar europäische Richtlinien gebe, doch die die nationalen Regierungen diese unterlaufen würden. „Hier braucht es mehr Offenheit, hier braucht es eine informierte Diskussion“, so Neumann.

Und nach ihrer Auffassung sei auch eine stärker feministische Außenpolitik in Europa wichtig und nötig. „Überall gibt es Diskriminierung, wir brauchen hier mehr Frauen an die Verhandlungstische, aber genauso auch Gruppen, die sonst von den Entscheidungen ausgeschlossen sind“, machte die Europaabgeordnete in Leipzig deutlich.

Darum sei sie froh über einen solchen Studientag. „Wir brauchen Menschen, die mutig sind, die Macht auch nutzen und sich so der Vision des Friedens annehmen“, betonte Hannah Neumann in Leipzig. Und sie erinnerte an diesem Ort auch an die Erfahrungen der friedlichen Revolution in der früheren DDR. „Damals hatten die Menschen nicht viel Macht, aber sie hatten viel Mut“, meinte die Europaabgeordnete.

In mehreren Workshops beschäftigten sich die Teilnehmer des Studientages, zu dem die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für KDV und Frieden (EAK), der Verband der evangelischen Studierendengemeinden (ESG), die ESG Leipzig, die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, die Evangelische Jugend Leipzig sowie die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens eingeladen hatte, mit verschiedenen Aspekten einer friedenspolitischen Arbeit. Dabei ging es um die Frage, welche Rolle die Kirche dabei spielen kann, wie ein Studierendenaustausch als Friedensarbeit im Krieg zwischen der Ukraine und Russland als Friedensarbeit wirken kann, ob die Rekrutierung Minderjähriger in der Bundeswehr als legitime Nachwuchswerbung oder als fragwürdige Praxis angesehen werden kann, welche Erfahrungen die Zivilklauselbewegung mit ihrer Forderung nach einer Forschung nur für zivile Zwecke hat und welche Bedeutung ethische Geldanlagen haben.