02.04.2020

AGDF: Corona-Pandemie ist eine schwere Herausforderung für internationale Workcamps

Dieter Junker
AGDF

Die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) hat angesichts der Corona-Pandemie vor schweren Konsequenzen für die internationalen Workcamps gewarnt und zu einer Unterstützung für die Träger von Workcamps aufgerufen. „Mittlerweile mussten aufgrund der Pandemie bereits erste Workcamps abgesagt werden, das hat natürlich Folgen für die Träger, nicht nur finanziell“, so AGDF-Geschäftsführer Jan Gildemeister. Er hoffe darum auf eine große Solidarität für die schwierige Situation der gemeinnützigen Organisationen und Verbände.

In Workcamps engagieren sich junge Freiwillige im Alter von 16 bis 30 Jahren aus verschiedenen Ländern für zwei bis vier Wochen in einem gemeinnützigen Projekt. Derzeit werden rund 2000 Workcamps jährlich im In- und Ausland mit zirka 5000 Freiwilligen in mehr als 100 Ländern angeboten. Allein in Deutschland gibt es jedes Jahr mehr als 350 internationale Workcamps.

Die Workcamps werden in diesem Jahr 100 Jahre alt. Sie entstanden 1920 als Konsequenz aus dem Ersten Weltkrieg. Damals bauten Freiwillige aus Frankreich, Deutschland und vielen anderen Ländern in einem kleinen Dorf in der Nähe von Verdun gemeinsam Häuser wieder auf, die während des Ersten Weltkriegs zerstört worden. Es war der Beginn einer revolutionären Idee, die weltweit Unterstützer fand.

„Diese Form von internationalem Austausch bietet Freiwilligen aus aller Welt die Möglichkeit, Land und Leute kennenzulernen, in fremde Kulturen einzutauchen und Erfahrungen zu machen, die ein Leben lang prägen“, ist Jan Gildemeister überzeugt. Nationale Egoismen auch in Zeiten, in denen Solidarität gefordert sei, ebenso aber auch fortlaufende Konflikte und Kriege trotz eines Appells des UN-Generalsekretärs zur Waffenruhe, sowie ein verbreiteter Rassismus würden zeigen, wie wichtig gerade heute solche Workcamps seien, macht der AGDF-Geschäftsführer deutlich.

Die Absage von Workcamps sei eine große Herausforderung für die Träger, sagt Nikolaus Ell von ICJA Freiwilligenaustausch weltweit. „Nachdem nun nach und nach Programme in Frühling abgesagt wurden, steigt die Befürchtung, dass nun das ganze Jahresprogramm abgesagt werden muss. Das Programm lebt von der intensiven Begegnung von Freiwilligen aus der ganzen Welt und da wirken sich die Schließung der Grenzen und das Gebot der Vermeidung von engen Kontakten unmittelbar aus. Noch üben wir uns in vorsichtigem Optimismus“, so Ell.

„Auch in diesem Jahr sollte ein Sommerlager von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in St. Petersburg stattfinden. Die internationalen Teilnehmerinnen und Teilnehmer wollten Überlebende der Leningrader Hungerblockade besuchen und sie durch Putz- und Renovierungsarbeiten im Haushalt unterstützen. Es ist sehr traurig, dass die Begegnung und Hilfe in diesem Jahr nicht möglich ist“, sagt Valentin Jandt-Ilgenstein, ehrenamtlicher Sommerlager-Teamer von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste.

 „Unsere zwanzig Sommerlager bieten jedes Jahr 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmern Möglichkeiten der Begegnung und des Engagements für Menschen, die von Verfolgung und Ausgrenzung betroffen sind“, macht auch Jutta Weduwen, die Geschäftsführerin von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, deutlich. Der Einbruch dieses Engagements habe auch massive finanzielle Auswirkungen, da bei Absagen Beiträge und Zuschüsse wegfallen werden, während viele Kosten weiterlaufen würden. „Wir appellieren an alle Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger, das Fortbestehen der Trägerlandschaft abzusichern“, so Jutta Weduwen.

Angesichts der Auswirkungen für die Workcamps sieht AGDF-Geschäftsführer Jan Gildemeister auf jeden Fall schwere Zeiten auf Träger wie auch auf Freiwillige zukommen. „Hier hoffen wir auf eine weitere Unterstützung durch die Bundespolitik, aber auch auf Spenden und Hilfen“, betont er. Dankbar seien die Träger allerdings schon jetzt für die Kooperationsbereitschaft des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, fügt Gildemeister hinzu.

Die Trägerkonferenz der Internationalen Jugendgemeinschafts- und Jugendsozialdienste, in der rund 60 Einzelorganisationen vereint sind, hatte für dieses Jubiläumsjahr das Projekt „100 Jahre Workcamps – Peace and Solidarity for the Future“ gestartet, um auf die Workcamps hinzuweisen und diese in der Öffentlichkeit bekanntzumachen. „Das alles wird nun schwerer“, befürchtet AGDF-Geschäftsführer Jan Gildemeister. Auch die Jubiläums-Workcamps wie die Jubiläumsveranstaltung mit Bundesjugendministerin Dr. Franziska Giffey, sind gefährdet.