07.06.2019

Verteidigungsministerium: "überwiegend positive Kommentare"

epd

Bonn/Berlin (epd). Eine aktuelle Werbekampagne der Bundeswehr stößt auf scharfe Kritik bei der evangelischen Kirche. "Ich finde es empörend und völlig unangemessen, mit dem Slogan 'Gas, Wasser, Schießen' Handwerker für die Bundeswehr zu suchen", erklärte der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Renke Brahms, am Freitag in Bonn. Er forderte das Bundesverteidigungsministerium auf, die Kampagne zu stoppen. Das Ministerium sieht dagegen keinen Handlungsbedarf.

"Das Wort Gas im Zusammenhang mit Schießen und Militär lässt wenig Fingerspitzengefühl und geschichtliches Bewusstsein bei den Verantwortlichen erkennen", kritisierte Brahms, der auch leitender Theologe der Bremischen Evangelischen Kirche ist. Es seien deutsche Soldaten gewesen, die im Ersten Weltkrieg 1915 erstmals Gas in einem Krieg eingesetzt hätten. Und in den Gaskammern der Konzentrationslager seien während des Zweiten Weltkrieges Millionen Menschen umgekommen. "Hier wäre eine andere Wortwahl mit Sicherheit angebrachter gewesen", erklärte Brahms.

Ein Sprecher des Verteidungsministeriums erklärte dazu: "Unsere derzeitige 'Handwerkerkampagne' will Interesse am Arbeitgeber Bundeswehr wecken." Die Werbung laufe crossmedial bis Ende Juli. Sein Haus verfolge die Diskussionen und die "weit überwiegend positiven Kommentare" mit Interesse.

Natürlich wolle das Ministerum, dass die Kampagne "auffällt und unsere Botschaft transportiert: Die Streitkräfte haben einen sehr großen Bedarf an Fachkräften im technischen und handwerklichen Bereich", erklärte der Sprecher. "So suchen wir allein 1.000 Frauen und Männer, die beispielsweise gelernte Elektriker, Mechaniker oder auch Gas-Wasser-Installateure sind."

Vor allem im Internet wird die Kampagne seit Tagen heftig kritisiert. Der SPD-Politiker Karl Lauterbach bezeichnete sie im Kurznachrichtendienst Twitter als "dumm und peinlich". Es liege auf der Hand, dass sie Assoziationen zum Gaskrieg wecke, schrieb Lauterbach Mitte der Woche.