01.10.2019

„Gerechtigkeit und Liebe sind die besten Mittel gegen Gewalt“

Dieter Junker
EAK
EAK-Studientag 2019 Nürnberg

Dieter Junker

Professor Dr. Christian Pfeiffer diskutierte in Nürnberg mit den Teilnehmern des Impulstages.

Gerechtigkeit und Liebe sind die besten Mittel gegen Gewalt. Dies betonte der Kriminologe Professor Dr. Christian Pfeiffer bei einem Impulstag zu Friedensbildung in Schule und Gemeinde in Nürnberg. Eine wichtige Rolle spielen seiner Auffassung nach dabei auch Lehrerinnen und Lehrer, die bei den Schülerinnen und Schülern Leidenschaften und damit die Lust auf das Leben wecken sollten, so der frühere niedersächsische Justizminister.

„Liebe zahlt sich aus“, machte Christian Pfeiffer deutlich. Alle Untersuchungen hätten gezeigt, dass in Familien oder in Schulen, wo geprügelt werde, auch die Gewaltraten steigen würden. „Hier finden sich mehr Alkoholprobleme, mehr Kriminalität, aber auch weniger Vertrauen“, unterstrich der Jurist und ehemalige Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsens. „Wir produzieren damit Gewalt. Aber wo gewaltfrei und liebevoll umgegangen wird, wird dies spürbar“, betonte Pfeifer nachdrücklich. 

Das gleiche gelte für Gerechtigkeit. „Diese ist wie die Liebe von zentraler Bedeutung. Gerechtigkeit zahlt sich aus, Ungerechtigkeit führt zu Gewalt“, ist Christian Pfeiffer überzeugt. Dies hätten zahlreiche Umfragen in Schulen, aber auch in Justizvollzugsanstalten bewiesen. Eine gute Schul- oder Gefängniskultur wirke sich im Verhalten gegenüber anderen aus, meinte der Kriminologe in Nürnberg. 

Pfeiffer verwies darauf, dass alle Statistiken belegen würden, dass die Gewalt und die schwere Kriminalität in Deutschland rückläufig seien. „Je schwerer die Straftat, umso mehr geht sie seit Jahren zurück“, betonte er. Auch in Schulen sei dies nachweisbar. „Wir haben mittlerweile in Schulen eine Kultur des Hin- statt des Wegsehens bei Gewalt, steigende Schulerfolge bedeuten auch weniger Schulverlierer, aber auch die Missbilligung von Gewalt ist deutlich angestiegen. Das alles führt zu einem Rückgang von Gewalt“, erläuterte der Jurist. Nur werde das leider in der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen. Er bedauerte, dass seitens der politisch Verantwortlichen dies nicht so auch bekannt gemacht würde. „Hier verschweigt leider die Politik die eigentlich gute Entwicklung“, kritisierte Pfeiffer.

Ein Problem seien allerdings die Jungs, gab Pfeiffer zu bedenken. Hier seien gegenüber gleichaltrigen Mädchen deutliche Unterschiede, was Gewalt und Kriminalität angehe, festzustellen. Hierbei würden Computerspiele sicher eine Rolle spielen, die von Jungs mehr als von Mädchen genutzt würden. Aber: „Ein wichtiger Grund dafür ist oft gerade die fehlende Liebe der Väter, das die Jungs verunsichert“, erläuterte der Kriminologe. „Hier fehlt nicht selten ein in den Arm nehmen, eine tröstende Geste, ein Umarmen. Dieses Väterdefizit ist eine ganz wichtige Ursache für die Unterschiede zwischen Jungs und Mädels“, war Christian Pfeiffer überzeugt.

Eine wichtige Aufgabe neben den Eltern nehme bei der Frage nach Liebe und Gerechtigkeit aber auch die Schule ein. Sie müsse die Jugendlichen mitnehmen, bei ihnen Leidenschaften und Interessen wecken, wo junge Menschen Erfüllung finden würden, Selbstbewusstsein lernen und Erfolgserlebnisse haben würden, unterstrich Christian Pfeiffer nachdrücklich und betonte: „Leidenschaft und die Lust aufs Leben wecken, das wäre die Rettung.“

„Gut miteinander auskommen“, so lautete das Motto des Impulstages in Nürnberg, zu dem die Nürnberger Arbeitsstelle kokon für konstruktive Konfliktbearbeitung in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern in Kooperation mit dem Religionspädagogischen Zentrum Heilsbronn und der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für KDV und Frieden gerade auch Lehrerinnen und Lehrer eingeladen hatte. In zahlreichen Workshops konnten die fast 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer konkret erleben, wie Gewaltfreiheit gelernt und vermittelt werden kann. Da ging es um Cybermobbing, um Friedensbildung mit Konfirmandinnen und Konfirmanden, um Friedenskultur in der Schule, die Ausstellung „Frieden geht anders“ des Zentrums Oekumene der Evangelischen Kirche in Hessen-Nassau, das W-I-R-Projekt des Fränkischen Bildungswerkes in Nürnberg und vieles mehr. Angebote, die von den Lehrerinnen und Lehrer, die an diesem Impulstag teilnahmen, aber auch von vielen anderen Teilnehmenden intensiv genutzt wurden.

„Christian Pfeiffer hat mit seinen Zahlen und Fakten uns heute bewusst gemacht, wieviel gewaltfreies Potenzial in unseren Jugendlichen steckt. Aber heute wurde auch deutlich, wieviel Potenzial genauso in unseren Schulen und in den Lehrerinnen und Lehrern steckt. Das macht sehr viel Mut“, freute sich Lutz Krügener, einer der beiden Sprecher der EAK und Friedensbeauftragter der Evangelisch-lutherischen Kirche Hannovers.

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