08.06.2019

70 Jahre ICJA Freiwilligenaustausch weltweit: „Ihr seid alle Friedensbotinnen und Friedensboten“

Dieter Junker
AGDF

Die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) hat ihrem Mitgliedsverband ICJA Freiwilligenaustausch weltweit zum 70-jährigen Bestehen gratuliert und die langjährige erfolgreiche Freiwilligen- und Austauscharbeit gewürdigt. „Wir freuen uns über die bewährte und gelingende Arbeit, die hervorragende und verlässliche Arbeit im Freiwilligendienst, im Jugendaustausch, in der Arbeit mit Geflüchteten, für das breite Spektrum an friedenspolitischen und entwicklungspolitischen Themen und vor allem für die aktive Auseinandersetzung mit Rassismus und Fremdenfeindlichkeit“, unterstrich die AGDF-Vorsitzende Christine Busch beim Jubiläumsfest in Dessau.

Die AGDF-Vorsitzende erinnerte an den amerikanischen Pfarrer John Eberly, dessen Schüleraustausch zwischen den USA und Deutschland 1949 den Internationalen Christlichen Jugendaustausch, den Vorläufer von ICJA Freiwilligenaustausch weltweit, ins Leben rief. „Peace first war sein Motiv, nicht America First“, unterstrich Christine Busch. Heute habe sich daraus ein breit gefächertes Austauschprogramm weltweit entwickelt, in dem ICJA einen wichtigen Teil bilde. „Und ihr alle seid Friedensboten und Friedensbotinnen“, machte die AGDF-Vorsitzende deutlich. Darum sei ICJA eine 70-jährige Erfolgsgeschichte, basierend auf ehrenamtlichem Engagement und den Erfahrungen derer, die mit ICJA im Ausland waren, über die Grenzen von Sprachen, Kulturen, Herkunft, Konfessionen, Religionen und Ideologien hinweg.

Damals bei der Gründung nach dem Zweiten Weltkrieg hätten Friedensorganisationen wie der Christliche Jugendaustausch nicht nur eine kritische Masse für Politik, Gesellschaft und Kirchen dargestellt, sie seien vor allem ein Hoffnungszeichen gewesen für junge Leute, die das Tabu des Nationalsozialismus brechen und aufarbeiten wollten. Dies habe die Geschichte vieler Gruppen geprägt. „Die Friedensorganisationen und die ökumenische Bewegung sind regelrecht ein Stachel im Fleisch der verfassten Kirchen. Sie mahnen sie zur Klarheit und Wahrheit. Sie fordern sie mit ihrem eigenen Selbstverständnis und ihrer eigenen Radikalität heraus“, ist Christine Busch überzeugt. Und damit seien sie Motoren auch in der Friedens- und Anti-Atomkraft-Bewegung der 1970er- und 1980er-Jahre, und ebenso in der Umwelt- und in der Frauenbewegung, betont die AGDF-Vorsitzende. 

Die Arbeit von ICJA wie auch anderen Friedensorganisationen sei dabei aktueller denn je, gab Christine Busch in Dessau zu bedenken. So habe die Wahl zum Europäischen Parlament gezeigt, dass weiter am zivilen Friedensprojekt Europa und gegen die Militarisierung der EU, gegen das Sterben an den EU-Außengrenzen und für Integration und Solidarität gearbeitet werden müsse, unterstrich die AGDF-Vorsitzende. Auch beim Kirchentag in Dortmund sei es wichtig, mit der von der AGDF initiierten Menschenkette ein Zeichen für eine Kultur der Gewaltfreiheit zu setzen. Und: „Im Herbst werden in drei Bundesländern Landtage gewählt. Wir stehen vor der Aufgabe, leere Parolen, Meinungsmache mit fake news, Hetze und Fremdenfeindlichkeit zu entlarven. Und mehr noch: Wir werden mit denen reden müssen, die ihr Selbstverständnis in der Ausgrenzung und Verachtung anderer Menschen ausleben“, machte Christine Busch deutlich.